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Stuttgart baut, boomt und zeigt seine Baustellen

Touren zu den architektonischen Höhepunkten vom Spatenstich bis zur Einweihung

Stuttgart - Männer vor Gucklöchern von Bauzäunen gibt es in Stuttgart schon lange nicht mehr. Denn die Marketinggesellschaft der Landeshauptstadt greift die Neugier der Menschen auf große Bauprojekte auf und bietet Touren zu den architektonischen Höhepunkten vom Spatenstich bis zur Einweihung an. Rund 10.000 Gäste nutzen jährlich dieses Angebot. Stuttgart kann derzeit mit einigen Superlativen aufwarten: die größte Baustelle Europas - das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, die umfassendste Klinikbaustelle Deutschlands, das größte Klärwerk Baden-Württembergs. In der Stadt am Neckar wird an zahlreichen Projekten mit einem Gesamtvolumen von mehr als vier Milliarden Euro gebaut.

«In Deutschland gibt es derzeit keine Metropole mit einem solchen Investitionsprogramm und so vielen über die ganze Stadt verstreuten Vorhaben», berichtet Stefan Lindemann, Geschäftsführer der Stuttgart Marketing GmbH, stolz. «Auch mitten in der Wirtschaftskrise wird nichts gestrichen.»

Der große Trumpf für die Stadtvermarkter ist der geplante neue Stuttgarter Tiefbahnhof (Stuttgart 21) samt durchgehender Anbindung an das Hochgeschwindigkeitsnetz für mehr als drei Milliarden Euro. Die Besichtigungstermine sind meist ausgebucht: «Da kommen der Opa mit dem Enkel, Ehepaare, Schüler, Studenten, Ingenieure - das Publikum ist bunt gemischt», berichtet Lindemann.

Im vergangene Jahr verbuchte Stuttgarter Marketing einen Rekord von 2,7 Millionen Übernachtungen und 42 Millionen Tagesbesucher in der Landeshauptstadt. In den kommenden Jahren hofft Lindemann auf einen Zuwachs allein durch Baustellenbesichtigungen von 50.000 bis 70.000 Übernachtungen. Im Jahr 2012 will er die Marke von 100.000 zusätzlichen Übernachtungen erreichen, wenn dann wirklich tiefe Einblicke in die Baustelle von Stuttgart 21 möglich sind.

Lindemanns Rezept heißt, die zunächst ungeliebten Bauarbeiten durch Inszenieren zu einem Erlebnis zu machen, das Bürger und Stadt miteinander verbindet. «Ich freue mich über jede Baustelle.» Gleichzeitig nehme die geballte Information bei den Rundgängen den Gegnern der Projekte die Ängste. Stadtführer Anselm Vogt-Moykopf weiß: «Die Führungen verbessern das Verhältnis der Bürger zu ihrer Stadt insgesamt.»

Bei Stuttgart 21 plant Lindemann weltweite Werbung: «Das Projekt greift globale Probleme auf.» Schließlich hätten viele Großstädte Schwierigkeiten damit, dass Gleisflächen im Zentrum städtebauliche Entwicklungen verhinderten. «Es lohnt sich für Gemeinderäte aus Liverpool oder Bordeaux, zu sehen, wie sie hier gelöst werden.» Architekten und Grünplaner sieht er ebenfalls als interessiertes Fachpublikum. Lindemann setzt auch darauf, dass Verbände, die sich mit Mobilität beschäftigen, in Stuttgart tagen - seien es Eisenbahner, Busunternehmer oder Verkehrsplaner. In das Rahmenprogramm solcher Kongresse passen die Baustellentouren besonders gut.

Ein Muss für Baustellenfans sind auch die neuen Gebäude für die Kinder- und Frauenklinik, die Neurologie und die Krankenhausleitung hinter dem bestehenden Katharinenhospital. 130.000 Quadratmeter Fläche werden in dem Komplex mit Blick auf Weinberge und Schrebergärten neu- und umgebaut. «Wir wollen ein transparentes Unternehmen sein und offen sagen und zeigen, was wir machen», beschreibt Harald Schäfer, Leiter des Servicecenters Bau, die Motive für die Öffnung des Rohbaus für Besucher.

Der Höhepunkt früherer Touren, die Neue Messe auf den Fildern, hat dem Killesberg Platz gemacht. Auf dem ehemaligen Messegelände im Stuttgarter Norden entsteht derzeit das Seniorenwohnstift Augustinum. Der Bau mit vier Doppeltürmen passt sich der Architektur der nahe gelegenen Weißenhofsiedlung an. Das Augustinum gehört zum neuen Stadtquartier mit dem Forum Killesberg, das Läden, Arztpraxen und Büros beherbergt.

(Tickets für Baustellentouren kosten acht Euro pro Erwachsener und vier Euro für Kinder. Sie können im Internet bestellt werden: www.stuttgart-tourist.de oder telefonisch unter 0711/22280)

Quelle: dpa/lsw

Weiteren Informationen unter:
http://www.stuttgart-tourist.de/

 
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